ECHTE HAUTE COUTURE IN LEIPZIG - GERMANY
ECHTE HAUTE COUTURE IN LEIPZIG - GERMANY
 Was ist Haute Couture?

Die Antwort auf diese Frage muss in zwei Teilen erfolgen:
Zum einen ist der Begriff im engeren Sinne in Frankreich geschützt und darf dort nur von wenigen Designern benutzt werden. Hierfür gibt es eine Fülle von Voraussetzungen, welche von der „Chambre Syndicale de la Haute Couture“ aufgestellt werden. Exemplarisch genannt seien hier als Formalien: der Hauptfirmensitz in Paris, ein Maßatelier mit nunmehr 15 Vollzeit-Angestellten und zwei jährliche Modenschauen mit nunmehr jeweils mindestens 35 handgearbeiteten Unikaten.
Der Begriff im weiteren Sinne kennzeichnet die „gehobene Schneiderkunst“ und ist als die Königsklasse der Mode - als Kunst betrachtet - zu sehen.
Die in Frankreich im Hinblick auf die Kleider gestellten Anforderungen gelten weltweit auch hier:
Die Kleider sind allesamt Unikate und anders als das, was man normalerweise kaufen kann; mit dahinterstehenden Konzepten zeigen sie auf sehr eindrucksvolle Weise die Kunst der Mode. Der Arbeitsaufwand beträgt mindestens 100 Arbeitsstunden je Kleid, welches der späteren Trägerin aus hochwertigsten Stoffen auf den Leib geschneidert wird. In ihm stecken komplizierte Schnitte und Formen; die Fertigung sollte in den klassischen, handwerklichen Verarbeitungstechniken der französischen Schneiderei erfolgen.
Haute Couture repräsentiert die kreativste und mit neuen Ideen experimentierende Form der Kunst mit einem wichtigen künstlerischen Konzept und gibt dem Designer die Möglichkeit zum Demonstrieren seiner Kreativität, um seine Mode als Kunst zu betrachten und eine Idee mit einer künstlerischen Bedeutung als Hintergrund umzusetzen.
Man kann die Voraussetzungen für ein Haute-Couture-Kleid folgendermaßen zusammenfassen:
- künstlerisches Konzept,
- mindestens 100 Stunden Handarbeit je Kleid,
- klassische, handwerkliche Verarbeitung der französischen Schneiderei,
 -nur hochwertigste Stoffe, wie z.B. reine Seide,
- so viel wie möglich Handarbeit,
- aufwändige und komplizierte Schnitte.

Ist Haute Couture tragbar?

Haute Couture ist nicht immer untragbar; damit Sie es verstehen, es kann durchaus auch tragbar sein. Dies ist kein Kriterium zur Beurteilung, solange die sonstigen Anforderungen erfüllt sind.

Wenn die Kleider dennoch oft nicht tragbar sind, warum machen die Designer immer noch Haute Couture?

Haute Couture ist zunächst schön anzuschauen – es ist eine hohe Kunst, wenngleich wenig alltagstauglich. Dazu kommt auch noch, dass sie fast immer unbezahlbar ist, aber im kommerziellen Bereich lohnt es sich für die großen Modemacher. Die in Paris – der „Wiege der Haute Couture“ – gezeigten Kleider werden ausnahmslos nach o.g. Kriterien gearbeitet. Die dann von der Presse gezeigten Bilder lassen die Impressionen der Kleiderträume um die ganze Welt gehen; so nutzen die Designer ihre Schneiderkunst als Fenster für den Verkauf ihrer anderen Produkte, sei es von prêt-à-porter-Mode, Accessoires, Parfums oder anderen Lizenzprodukten. Nur vor diesem Hintergrund lohnt sich eine Haute-Couture-Modenschau, welche etwa drei Millionen Euro kostet, denn kaum jemand kauft diese besondere Mode.

Und wer kauft Haute Couture?

Es gibt weltweit wohl nicht mehr als 2.000 Kundinnen, die diese außergewöhnlichen und nicht für den Alltag konzipierten Kleider kaufen; die meisten kommen aus Amerika, momentan steigt allerdings die Nachfrage von Kundinnen aus Russland, Indien und China. Die hohe Schneiderkunst erlebt gerade eine regelrechte Renaissance.
Diejenigen Kleider, welche nicht verkauft werden, gehen schließlich an verschiedene Museen als Ausstellungsstücke.

Warum machen Sie dann überhaupt Haute Couture?

Wie ich bereits schon gesagt habe, ist die Haute Couture zumeist nicht tragbar und unbezahlbar; allerdings ist es schon aufgrund des Aufwandes und der Konzepte interessant, die Kleider anzuschauen. Mein Traum ist es, andere Designer aus Deutschland, Freunde aus Paris und Mailand nach Leipzig einzuladen, um hier in einer Ausstellung die Haute Couture mit Kleidern lebendig zu präsentieren. Damit sich die Mode als Teil der Kunst hier weiterentwickeln kann, sollte eine solche Ausstellung auch Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen sowie Fotografien von einzelnen Fertigungsabschnitten eines Kleides zeigen. Ich bin mir sicher, dass derartiges in unserer hochkulturellen Gesellschaft in Leipzig großen Anklang finden würde. Dies könnte andere Designer anregen, in einem solchen Rahmen zu arbeiten und damit für eine größere Vielfalt und Weiterentwicklung der Mode zu sorgen.
Ich bin allerdings auch fähig, „normale“ und „tragbare“ Mode zu kreieren; auch male ich seit Jahren gern Bilder, schreibe, fertige Skulpturen aus Keramik und demnächst auch aus Porzellan…

Kann man mit Ausstellungen Geld verdienen?

Diese Frage stellt sich für mich nicht. Ich denke, dass sich jeder an Haute Couture interessierte Designer als Künstler betrachtet und als solcher ist man nur zufrieden, wenn die eigene Arbeit respektiert und wahrgenommen wird. Wichtig ist, dass man etwas für die Gesellschaft gemacht hat.

Haben sie etwas für die Leipziger Gesellschaft gemacht?

Ich habe dieses Jahr angefangen, etwas für Leipzig zu machen, indem ich an einem Wettbewerb hier in Leipzig teilgenommen habe, obwohl ich persönlich nicht viel von Wettbewerben halte. Allerdings wollte ich die Gelegenheit nutzen, den Leipzigern moderne Haute Couture zu zeigen und das Interesse daran zu wecken.
Aber leider war dieser Wettbewerb nach meiner Meinung und nunmehr jetzigen Erfahrung auch auf Grund der Rahmenbedingungen nicht geeignet, um richtige Haute-Couture-Kleider nach den bereits genannten Kriterien zu präsentieren. Allerdings habe ich mein Kleid eben gerade für diesen Wettbewerb nach diesen hohen Maßstäben kreiert.

Welches Konzept steht hinter Ihrem Kleid – was repräsentiert es?

Mein Kleid, in welchem über 300 Stunden Handarbeit stecken, repräsentiert ein Kunstwerk aus Stoff, in welchem Seide und Edelstahl zusammenkommen. Es beinhaltet harte und weiche Komponenten - so wie die Persönlichkeit der Frau mit einer weichen und einer starken Seite. Ein Kunstwerk des von mir verehrten Prof. Ernst Fuchs, einem Künstler aus Österreich, hat mich zu diesem Kleid inspiriert – die „Sphinx“. Außerdem verweist mein Kleid einerseits auf die Vergangenheit - die Rückseite ist inspiriert von Kleidern um 1800 - und andererseits zeigt die vordere Seite in einer modernen Perspektive eine Frau als Skulptur. Auch der Hut ist Teil des Konzeptes und repräsentiert die drei Fundamente unserer Familien: Vater, Mutter und Kind und mit uns allen die Erde.
Das Kleid zeigt auch viel Innovatives: Das Kragen-Korsett, etwas, das so nicht existierte, die Stoff-Verarbeitung ohne Schnitte, die Rock-Konstruktion, die bewirkt, dass der Rock immer seine Form und damit den gleichen Look behält, ohne das die Trägerin ihn neu ausrichten müsste, obwohl das Kleid viel Bewegung zulässt und in sich hat.
Damit ist es ein perfektes Kleid für eine imaginäre Frau für einen Ball, auf dem sie als Einzige mit ihrer Begleitung tanzen darf… so ist nun mal Haute Couture: Kunst, Inspiration, neue Dimension, andere noch nicht existierende, nur im Auge des Künstlers bestehende Perfektion….

Warum war der Wettbewerb nicht geeignet, um solche Kleider zu präsentieren?

Obwohl der Wettbewerb offiziell mit „Haute Couture zum Opernball 2012“ beworben wurde und man nunmehr sogar den „Vater der Haute Couture“, Charles Frederick Worth als Namenspatron für den Preis „Der goldene Charlie“ bemüht hat, war schließlich zu sehen, dass die Jury in Bezug auf extravagante Kleider überfordert war. Darüber hinaus waren die Rahmenbedingungen alles andere als ideal, um ein aufwendig und aus hochwertigen und empfindlichen Stoffen gefertigtes Kleid zu präsentieren.

Das klingt allerdings sehr hart; wie kommen Sie zu einer derartigen Behauptung?

Bedauerlicherweise hat ein Jurymitglied in einem Fernseh-Interview ganz offen gesagt, dass für sie als Prämisse gelte, dass das Kleid „tragbar sein“ müsse. Von einem anderen Jurymitglied war zu lesen, dass ihm wichtig sei, dass das Kleid tragbar sein und man mit diesem tanzen können müsse.
Derartige Ansichten gehen jedoch nicht konform mit dem Konzept der Haute Couture bzw. schränken dieses unzulässigerweise immens ein und verstoßen nicht zuletzt gegen die Bedingungen/ Regeln/ Forderungen dieses Wettbewerbs.

Welche Forderungen hatte denn der Wettbewerb?

Hierzu reicht ein kurzes Zitat aus der Ausschreibung zu diesem Wettbewerb, wie sie der Internetseite www.dergoldenecharlie.de zu entnehmen war:
„Jeder Designer/Künstler bekommt die Möglichkeit[,] einer professionellen und prominent besetzen Jury seine Entwürfe zu präsentieren. Egal ob Student oder Firma, egal ob tragbar oder auch nicht, wichtig ist die Besonderheit der Einzigartigkeit, welche die Ballroben besitzen müssen. Nichts muss normal sein, von der Idee bis zum fertigen Ballkleid…

Was sagen sie dazu?

Die Forderungen und Rahmenbedingungen klingen ganz perfekt und richtig, um ein Haute-Couture-Kleid zu präsentieren. Wie man allerdings bereits an den soeben zitierten Aussagen ablesen kann, haben entweder einzelne Jurymitglieder die Bedingungen nicht weiter verfolgt, sind von den Veranstaltern unzureichend über diese informiert worden oder haben sich mit persönlichen Empfindungen schlicht über diese hinweggesetzt! Zur Erinnerung: …tragbar … man muss tanzen können… Das klingt nach einem schönen Abendkleid, aber nicht nach einem der Ausschreibung entsprechenden Kleid.
Und dies erzeugt Verwirrungen im Bereich der Mode, die ich als Teilnehmer des Wettbewerbs und zugleich Fachkundiger nicht unkommentiert lassen kann.

Was hätte der Veranstalter Ihrer Meinung nach tun müssen?

Dazu hätte es im Vorfeld nur zwei Lösungen geben können, um die mit diesem Wettbewerb nicht nur unter den Designern, sondern auch unter dem Publikum und allen Interessierten gestiftete Verwirrung zu vermeiden: Die Organisatoren hatten die Jury unter Beibehaltung der Bedingungen hinsichtlich der zu bewertenden Kriterien informieren oder ganz einfach die Bedingungen anders und damit einen anderen Anspruch an diesen Preis formulieren müssen.
Zweifelsohne sind die drei prämierten Kleider wunderschöne Abendkleider, aber für mich stellt sich nunmehr die Frage: Hat sich die Jury das gesucht, was einige Mitglieder ungeschickterweise öffentlich gesagt haben – tragbare Kleider…?

In der letzten Woche war eine Publikation in der Leipziger Volkszeitung zu lesen, in welcher Ihnen von der verantwortlichen Redakteurin Kerstin Decker schlechter Stil vorgeworfen wird; was haben Sie hierzu zu sagen?

Bei uns herrscht glücklicherweise Meinungsfreiheit und mit Kritik komme ich wirklich gut zurecht, wenn sie denn konstruktiv, ehrlich und auf Tatsachen basierend vorgetragen wird.
In diesem Falle jedoch empfinde ich es unangemessen zu sagen, dass ich eitel sei. Diese Redakteurin hat von mir in mehreren Telefonaten meinen Traum geschildert bekommen, dass ich in Leipzig die Haute Couture als Teil der Kunst etablieren will – so eitel klingt das nicht. Sie riet mir daraufhin, ich solle doch Leipzig verlassen, denn diese Stadt sei nichts für mich; wir wären hier nicht in Paris und außerdem seien die Leute hier kulturell nicht geeignet… Dieser Ansicht habe ich jedes Mal vehement widersprochen, weil die Leipziger ein hohes kulturelles Niveau haben, neugierig sind, viel lesen, Theater und Oper besuchen und interessiert an allem sind, was mit Kunst zutun hat; nicht zuletzt aber auch deswegen, weil mir Leipzig am Herzen liegt. Und jetzt stelle ich einfach eine Frage zurück:
Ist derjenige, der an eine Gesellschaft glaubt und sich als Leipziger fühlt, wirklich eitel?

Ist die Behauptung wahr, dass Frau Kerstin Decker gelogen hat, als sie schrieb, dass Ihr Model beim Opernball am 27. Oktober mit den Tränen kämpfte, weil es wegen des superengen Schnitts nicht laufen konnte und nur Trippelschritte möglich waren?

Das Model selbst hat sich, ohne mit mir vorher Kontakt aufgenommen zu haben, umgehend in der Redaktion gemeldet und hat diese Aussage als falsch bezeichnet.
In einem am Tage nach der Veröffentlichung des Artikels geführten Telefonat hat sie mir dann gesagt, dass sie das vor allem deshalb gemacht habe, weil es ein schlechtes Bild auf sie werfe, denn immerhin habe sie dort als Modell gearbeitet und wäre nicht derart unprofessionell aufgetreten.
An der Schilderung in der LVZ stimmte einfach nicht ein einziges Detail:
Das mir zugeteilte Modell wurde von mir angekleidet und bis zum Entkleiden, also dem Ende des gesamten Auftritts, begleitet. Und zu keinem Zeitpunkt gab es einen Anlass zum Weinen – weder bei ihr noch bei mir. Im Gegenteil: Sie war sowohl von meinem Kleid als auch von ihrer ob des Korsetts geformten Silhouette sehr angetan. Im Übrigen war auch ich wegen des Anblicks und der zauberhaften und zugleich professionellen Art sehr begeistert von dem für mich ausgewählten Modell.
Der Auftritt gestaltete sich dann ebenfalls perfekt: Sie lief mit diesem Kleid professionell in der von mir verlangten Weise – so wie ein Haute-Couture-Kleid präsentiert wird. Niemand im Saal konnte Trippelschritte wahrnehmen… mit diesem Kleid ist nicht nur Laufen möglich, auch Tanzen und zügigeres Gehen (aber wer wollte das bei einem solchen Kleid schon) ist zweifelsohne möglich, weil das Kleid eine elastische Konstruktion im Inneren besitzt.

Haben Sie die Oper wirklich sofort wutentbrannt verlassen?

Nein, mir wurde jedoch von einer Helferin der Organisatoren abgeraten, mit dem Kleid noch ins Publikum zu gehen, damit nicht weiter auf den Kleid „herumgetreten“ werde, denn es hat eine Breite von 1,80 m und eine Länge von 2,65 m… Dann bin ich mit Freunden noch bis 01:30 in der Oper gewesen.

Warum hat dann die LVZ-Redakteurin so geredet?

Ich habe mich monatelang bemüht, ihr meine Idee, die Haute Couture als Teil der Kunst in Leipzig zu etablieren, nahe zu bringen und mit ihrer Hilfe eine breitere Öffentlichkeit erreichen zu können. Sie war jedoch sehr distanziert, weil ich einer anderen Zeitung ein Interview gegeben habe. Sie wollte die Erste sein und fand das laut eigener Aussage nicht in Ordnung, weil es sich bei dieser Zeitung ihrer Meinung nach um eine „Massenzeitung“ des eigenen Unternehmens handele. Damit sind mir ihr Stil und ihre Einstellung bewusst geworden. Um ihre Enttäuschung zu lindern, habe ich mehrfach versucht, ihr neue Ideen anzubieten, aber das klappte nicht… zuletzt habe ich ihr dann das von ihr in dem Artikel zitierte Schreiben mit meiner Kritik an den Organisatoren und Jurymitgliedern des Wettbewerbs bekannt gemacht. Daraufhin haben wir nochmals telefoniert und sie hat mir in vielen Punkten meiner Kritik Recht gegeben. Allerdings wollte sie nicht darüber berichten und keinen Skandal machen, weil mir dies nur schaden würde. Ich habe ihr eingeräumt, die Informationen dennoch zu nutzen und habe mir lediglich ausgebeten, dass sie objektiv sein solle…

Sind Sie wirklich ein schlechter Verlierer?

Ich bin im Übrigen überhaupt nicht traurig darüber, ich bin nur von der Redakteurin so genannt worden. Bin ich ein schlechter Verlierer, weil ich Kritik übe? Als Wettbewerbsteilnehmer und damit von allem Betroffener, aber auch als Fachkundiger auf dem Gebiet der Haute Couture nehme ich das Recht für mich in Anspruch, Kritik auszusprechen. Das finde ich weniger verwerflich als zu lügen!
Es stimmt, dass ich die Kompetenz der Jury in Frage gestellt habe und halte dies immer noch aufrecht. Geäußert habe ich, dass mir unter anderem ein Visagist, eine Schmuckladenbesitzerin, ein Ex-Sportlabeldesigner gegenüber gesessen haben. Als ich mein Kleid vor der Jury präsentiert habe, haben einzelne Jurymitglieder gegessen, andere schienen desinteressiert. Als ich mit meinen Erläuterungen fertig war, erwartete ich Nachfragen und eine Begutachtung des Kleides hinsichtlich der Fertigungstechniken und der Verarbeitungsqualität. Es wurde aber weder eine einzige Frage gestellt noch das Kleid näher begutachtet – was soll ich davon halten?
Und dabei ist es weder beleidigend noch anmaßend, die einzelnen Mitglieder mit ihrer Berufsbezeichnung zu nennen. Es zeigt nur, dass sie nicht alle per se Fachkundige im Sinne dieses Wettbewerbs sind, sondern weiterer Informationen im Hinblick auf die Regeln bedürften. Und wenn man dann noch aus den Medien herausfinden muss, dass einige Mitglieder die Regeln wohl nicht kennen, dann ist es doch nicht verwunderlich, dass man Bedenken in Bezug auf die Kompetenz der Jury für diese Art des Wettbewerbes hat.
Und wenn einem dann einige Zeit nach der Vorausscheidung mal so eben nebenbei durch eine Agentur bekanntgegeben wird, dass diese sich ab sofort um die weitere Organisation kümmere und diese allerdings selbst ein Wettbewerbskleid „im Rennen“ hat, dann ist Kritik schlichtweg notwendig und wurde im Übrigen bereits vor meinem „Verlieren“ in schriftlicher Form bei den Veranstaltern geübt! Kleine Randnotiz: Es ist dann der dritte Platz für diesen Wettbewerber/ Organisator geworden.
Wenn ehrlich zu sein und berechtigte Kritik zu äußern mit schlechtem Verlieren gleichgesetzt werden, dann bin ich ein „schlechter Verlierer“.

Was halten Sie von Äußerungen, welche Sie als „selbstgefällig“ bezeichnen, weil Sie sich als „einziger Leipziger Haute-Couture-Modedesigner" darstellen?

Ich habe seit mehreren Monaten in Leipzig einen Designer gesucht, der die Haute Couture mit ihrer aktuellen, künstlerischen Bedeutung sieht, denn ich habe mehrere Projekte und bin sehr an einer Kooperation mit anderen Designern interessiert – leider habe ich bis jetzt keine gefunden. Es gibt in Leipzig mehrere tolle Designer, die hochwertige, handgearbeitete Maßkleidung fertigen, aber sich selbst nicht als Haute-Couture-Designer bezeichnen. Dies ist nicht verwunderlich, weil jeder kaufmännisch denkende Designer kaum Kundschaft für ein Kleid finden wird, welches die mindestens erforderlichen 100 Stunden Handarbeit in sich trägt, die zusätzlich zu den edlen Materialien auch noch bezahlt werden müssten… Selbst wenn man nur 50 EUR je Stunde ansetzte (jedes Autohaus berechnet für eine Mechanikerstunde mehr), dann wären zunächst bereits 5.000 EUR fällig, zuzüglich der Kosten für hochwertiges Material ließe sich so ein Kleid für unter 8.000 EUR nicht bewerkstelligen. Eigentlich günstig – wenn man bedenkt, dass derartige Kleider ab etwa 30.000 EUR aufwärts kosten…

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Einschätzung des Rechtsanwalts Friedrich, dem Geschäftsführer der Opernball GmbH, andere Leipziger Modemacher könnten hiergegen durchaus mit einem Anwalt vorgehen, denn es handele sich dabei um Verbrauchertäuschung?

Dass derartiges in diesem Zusammenhang veröffentlich wird, verwundert mich nicht, weil ich den Eindruck habe, dass man mich zu diskreditieren versucht. Wie ich bereits gesagt habe, ist mir bis zum heutigen Tage kein „Leipziger Modemacher“ bekannt, der sich „Haute-Couture-Designer“ nennt. Über die vielfältigen Gründe – der eine hat es nicht gelernt, der andere hegt (verständlicherweise) keine kommerzielle Erfolgsaussicht – muss nicht spekuliert werden.
Und daher handelt es sich bis zum heutigen Tage um ein Alleinstellungsmerkmal, welches ich daher zu Recht benutzen darf. Wo soll die Verbrauchertäuschung sein, wenn ich mich zutreffend beschreibe und hierbei niemanden anders herabsetze. Sollte sich ein Leipziger Designer melden, so würde ich mich über gemeinsame, "einzigartige" Projekte freuen.
In diesen Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Herr Friedrich wirklich verstanden hat, was Haute Couture bedeutet? Dies ist nicht gleichzusetzen mit handgemachter Abendbekleidung! Dass auch in Bezug auf ihn als Jurymitglied berechtigte Zweifel angebracht sind, hat er – sofern er richtig zitiert wurde – eindrucksvoll unter Beweis gestellt: "Das [Kleid]von Agustin Molina fanden wir alle sehr interessant, aber der Haben-wollen-Effekt stellte sich nicht ein." Wenn dieser „Effekt“ ein Kriterium der Haute Couture wäre, so verlöre diese Welt erheblich an Zauber…
Ärgerlich und entlarvend ist nur, dass er in seiner Verärgerung über meine Kritik mich auch noch mit auf seinem Fachgebiet unzutreffenden Äußerungen schädigt und die Problematik einer Verbrauchertäuschung als Faktum ohne Beweis - und damit juristisch völlig unhaltbar - darstellt.

Würden Sie nochmal in diesem Wettbewerb teilnehmen?

Wie kann man eine solche Frage unter dem Eindruck der jetzigen Ereignisse beantworten? Natürlich habe ich Interesse, meine Kunst zu zeigen. Allerdings ist es für mich undenkbar, unter den gleichen Voraussetzungen nochmals anzutreten. Verstehen Sie mich nicht falsch – ich habe andere tragbare Kleider, die auch konkurrenzfähig sind, gefertigt. Aber solange bei dieser Veranstaltung das wirkliche Konzept unklar ist, hält sich mein Ehrgeiz in Grenzen.
Im Übrigen sind schon fast zwei Wochen vergangen, seitdem ich einen Brief an die Organisatoren geschrieben habe und viele möglicherweise unbekannte Kritikpunkte geäußert habe – bis heute wurde er nicht beantwortet.
Wenn ich bedenke, dass mein Kleid, in welchem über 300 Stunden Arbeit stecken, durch die Unzulänglichkeiten bei der Organisation erheblichen Schaden genommen hat und selbst auf die Schilderung dieses Umstandes hin auch keine Reaktion erfolgte, wird mir langsam klar, wem hier „die feine englische Art“ fehlt.

Was würden Sie den Leipzigern zum Schluss gern sagen?

Liebe Leipziger, ich bedanke mich ganz herzlich, dass Sie mich als Teil Ihrer Gesellschaft aufgenommen haben. Ich danke auch für die vielfältige Unterstützung, die mir zuteil geworden ist. Danke für Ihr Verständnis für die Schilderung meiner Sicht auf die Dinge; ich hoffe, dass ich mit diesen Interview einige offene Fragen beantworte konnte.
Ich werde weiter da sein… Wenn Sie nichts mehr über mich hören, so wäre dies einer Kraft geschuldet, auf die ich keine Einfluss habe - aber ich werde mein Bestes geben, damit es nicht passiert.

Interview mit dem Designer Agustin Molina am 11.11.2012

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